Planungsbüro für Geotouristik Babist

Das Schulprojekt Mömlingen:
Vulkanismus und Rennofenbau

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"Networking" - Zusammenarbeit auf allen Ebenen: Der UNESCO Geopark ermöglicht durch einen besseren Informationsfluss zwischen lokalen und regionalen Akteuren eine erleichterte Kontaktaufnahme und eine unvoreingenommene Kooperation zwischen Gruppierungen und Institutionen, die - teilweise regional weit voneinander entfernt - im "Normalfall" niemals derartige Pilotprojekte gemeinsam veranstalten würden.

 

Das nachfolgende Beispiel zeigt, wie positiv sich eine solche vertiefte Zusammenarbeit auswirken kann. Das Projekt "Buntsandstein, explosiver Vulkanismus und Rennofenbau" in Mömlingen ist ein Kooperationsprojekt zwischen:

- Gemeinde Mömlingen
(www.moemlingen.org)

- Grund- und Hauptschule Mömlingen

- Wanderverein "Alpenrose" Mömlingen
(www.wanderverein-moemlingen.de)

- Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald
(www.museum-reichelsheim.de)

- Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald

- Prof. Dr. Lorenz, Vulkanologe, Universität Würzburg
(www.geologie.uni-wuerzburg.de/frameset.htm?/D_Mitarbeiter/Lorenz/Werdegang.htm)

- GEOlogisch! - Planungsbüro für Geotouristik

 

1. Die Thematik

In der Umgebung von Mömlingen treten am Kontakt zwischen Basaltgängen und -Schloten und Buntsandstein lokal reiche Eisenerzvorkommen auf, die seit dem Mittelalter abgebaut wurden. Im vergangenen Jahr gelang der Nachweis, dass es sich bei zumindest zwei der Basaltvorkommen bei Mömlingen um Tuffschlote handelt, die aus Maarvulkanismus (Kontakt zwischen heißer Basaltschmelze und Grundwasser) hervorgegangen sind.

Diese Thematik bot sich nun für ein Schulprojekt an, bei dem die Schüler der 6. Klasse der Hauptschule Mömlingen nicht nur mit dem faszinierenden Phänomen Vulkanismus in Berührung kommen sollten, sondern selbst praktisch "Hand anlegen" sollten, um einen Rennofen aufzubauen, wie er im Mittelalter zur Verhüttung der Eisenerze verwendet wurde.

Am Ende der gelungenen Symbiose aus Unterricht im Freien und dem Ausleben ganz spezieller handwerklicher Fähigkeiten mit dem heute so ungewohnten Baumaterial Lehm und Stroh raucht anlässlich des Festes des Wandervereins "Alpenrose" an der Eichwaldhütte am Sonntag, dem 27. Mai zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder ein Rennofen über Mömlingen. Der Abstich des Rennofens wird voraussichtlich gegen 18.00 Uhr erfolgen, wenn auch ein Schmied anwesend ist, der - wenn das Experiment gelingt - das Eisen ausschmieden wird.

 

2. Das Schulprojekt in Bildern (21. und 22. Mai 2007)

Der erste Tag: Der Rennofen entsteht - Lehmziegel, Matsch und Stroh machen alle Schüler froh!



Fachsimpeln und Matschen - kann's was Schöneres geben?


Der Rennofen wird aus bereits zuvor hergestellten, getrockneten Lehmziegeln aufgemauert. Dabei verjüngt sich der Ofen über der Schlackegrube nach oben. Im unteren Teil werden vier Düsen für die spätere Luftzufuhr eingemauert (rechts).


Nun muss der bis jetzt errichtete Ofenteil zum ersten Mal ausgeheizt werden. Derweil entstehen allerhand Kunstwerke aus Lehm, Stroh und im Wald aufgesammelten Aststücken...


Und so geht's weiter: Der Ofen wächst Stück um Stück.


Bald ist die Schule aus, der Ofen aber noch lange nicht - nicht für einige Unentwegte, die nachmittags noch "Überstunden" leisten!



Bis abends steht bereits deutlich mehr vom Ofen, als Werner Götzinger vom Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald erwartet hatte! Die Risse bekam der Ofen durch das Ausheizen, bei dem der Ton sintert und so dem Kamin Festigkeit verleiht. In einer zweiten Schicht wird am zweiten Tag nachmittags ein spezieller "Putz" aus Lehm und Stroh aufgetragen, der die endgültige Oberfläche des Ofens bildet.

 

Der zweite Tag: Buntsandstein und tertiärer Maarvulkanismus - den Experimentalunterricht auf die Wiese verlegt

Morgens pünktlich um 9 Uhr trifft die Klasse wieder ein - diesmal, um einen Unterricht der besonderen Art zu genießen: Extra aus Würzburg angereist ist der Vulkanologe Prof. Dr. Lorenz, der gemeinsam mit Dipl.-Geol. Jochen Babist von GEOlogisch! durch "Küchenphysik" Erdgeschichte und geologische Prozesse verständlich macht. Bei strahlendem Sonnenschein und optimalen Bedingungen dank der Infrastruktur des Wanderheims Eichwaldhütte des Mömlinger Wandervereins "Alpenrose" kann dabei eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Aktion, Anfassen und "Be-Greifen" steht im Mittelpunkt.


Mit zwei einfachen Versuchen lässt sich demonstrieren, wie Sedimentstrukturen im Buntsandstein durch Wasserbewegung entstanden sind (links: Rippeln), und wie aus dem Lockersediment Sand ein Sandstein wird (rechts: "Zementation" durch Kochsalz).


Wie steigt eine Basaltschmelze aus 50 bis 60 km Tiefe bis zur Oberfläche auf? Wie kristallisiert eine Schmelze? Mit Lebensmittelfarbe und Wasser (oben) und kristallisierender Glaubersalz-Schmelze (unten) wird auch diesen Fragen zu Leibe gerückt.



Alles andere als "graue Theorie" vermittelt Prof. Dr. Volker Lorenz aus Würzburg!



Nachmittags um 17.00 Uhr trafen - außerschulisch - wieder einige Schüler an der Baustelle ein, um dem Rennofen auf seine endgültige Höhe aufzumauern und ihm seinen "Außenputz" zu verpassen. Danach wurde tüchtig angeheizt...



Ein Projekt und seine Kontakte: Nach zwei langen Tagen läuft die Erzröstung mit Holz im Rennofen - Vorbereitung für den Verhüttungsprozess am Sonntag, 27. Mai. Zeit, um bei einem Bier die letzten beiden ereignisreichen Tage Revue passieren zu lassen und neue Pläne zu schmieden...


Eine Spezialkonstruktion schützt den Ofen bis zum Einsatz vor den Unbilden der Mutter Natur...

 

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